Planungsentwurf denzer & poensgen

Eifeler Holzbausiedlung mit Mustercharackter

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Beauftragt mit der Ausarbeitung eines Entwurfs der Eifeler Holzbau-Mustersiedlung wurde nach einer Angebotsabfrage von vier Planungsbüros das Büro denzer & poensgen aus Marmagen. Im Folgenden wird das Entwurfskonzept vorgestellt. Die Texte und Bilder sind ein Auszug aus dem Exposé „Ein Ort im Ort“ und von Büro denzer & poensgen verfasst.

 

Der Entwurf

(Text und Abbildungen: denzer & poensgen, Marmagen)

„Historisch, das Alte allein festzuhalten oder zu
wiederholen, dadurch würde die Historie zu Grunde
gehen, historisch handeln ist das, welches das Neue
herbeiführt und wodurch die Geschichte fortgesetzt
wird.“
Karl Friedrich Schinkel

Bick-von-Genfbachstrasse

Abb.: Blick von der Genfbachstrasse

 

Städtebauliches Konzept: Das Konzept schlägt vor die angrenzende offene Bauweise aufzunehmen und mit dem ortstypischen „Winkelhof-Typ“ weiterzuführen. Dabei sollen alle „Haupthäuser“ zur Straße hin giebelständig positioniert werden. In den Nebengebäuden sind die Garagen, die Carports und die Zugänge der einzelnen Häuser untergebracht. Die vorgeschlagene Typologie des Wohnhaues funktioniert als Split-Level-Typ auf drei Ebenen, somit ist es möglich einerseits alle Häuser „ebenerdig“ zu erschließen und andererseits die öffentlichen Bereiche wie der Wohn-, der Küchen-, und der Essbereich über eine Terrasse mit dem zugeordneten Garten zu verbinden. Durch Einfriedungen der Gärten mit Buchenhecken sollen diese sich vor Einblicken der Nachbarschaft schützen. Somit entsteht für jedes Haus ein zusätzlicher Raum im Freien, der Möglichkeit bietet sich einen ganz besonderen Ort zu gestalten, an dem man sich zurückziehen, Ruhe finden oder mit Familien und Freunden gesellig beisammen sein kann. Durch ein Gartentor sind alle Bewohner mit dem „Quartiersplatz“ verbunden. Durch die strickte Trennung des öffentlichen Außenraumes von den privaten Außenräumen ist direktes Nebeneinander bzw. ein gemeinschaftliches Nutzen dieser Räume möglich.

Gebäudekonzept – Wohnen+ : Generationswohnen, Wohnen und Arbeiten (Homeoffice): Durch die Anordnung des „Split-Level-Systems“ auf drei Ebenen ist es möglich alle Häuser für alle Lebenssituationen zu konzipieren. Das Wohnen und Arbeiten mit integriertem Homeoffice in den vorgeschlagenen Häusern ist genauso denkbar wie der Einlieger mit dem generationsübergreifenden Wohnen. Mit Gesamtgrößen von ca. 140 bis 200 qm sind alle Funktionen jeweils trennbar bzw. zusammenschaltbar. Die Häuser sind somit absolut flexibel, individuell und zeitgemäß.

Grundriss-EG

Beispiel: Wohnen & Arbeiten: Der Arbeitsbereich befindet sich im Eingangsgeschoss mit einer möglichen Fläche von ca. 58 qm. Zusätzlich befindet sich auf dieser Ebene ein Abstellraum, ein WC sowie eine Garderobe. Der offene Zugangsbereich kann als Carport neben der Garage genutzt werden. Der öffentliche Bereich der Wohnung mit Küche, Essen und Wohnen befindet sich auf der Gartenebene. Im Obergeschoss sind die privaten Schlafzimmer mit separatem Bad untergebracht.

Grundriss-1-OG

Beispiel: Generationswohnen: Der Einlieger liegt im Eingangsbereich des Hauses und ist ebenerdig zu erschließen. Der Wohnbereich orientiert sich zum Garten hin während der Küchenbereich zur Straße gelegen ist. Bad, Abstellraum und Garderobe sind dieser Ebene ebenfalls zugeordnet. Der öffentliche Bereich der „großen Wohnung“ mit Küche, Essen und Wohnen befindet sich auf der Gartenebene. Neben diesen Räumen ist auf dieser Ebene eine Zimmer mit Ankleide und Bad denkbar. Im Obergeschoss sind weitere private Schlafzimmer mit separatem Bad möglich.

Baukonstruktion – Gestaltung – Materialität: Die traditionelle „Bauweise“ in der Nordeifel ist geprägt durch zwei Materialien. Der untere Bereich des Hauses ist als Sockel in Stein ausgebildet. Der obere aufgesetzte Teil versteht sich als Holzbau. Der Entwurf übernimmt diese Strukturen und schafft somit einen modernen Transfer zur historischen Baukultur. Die Holzbauweise ist als moderne Ständerbauweise gedacht. Das Material Holz soll nicht nur als konstruktives Material für das Obergeschoß und das Dachgeschoß dienen, es soll auch die Grundlage bieten für die Ausführung von Fuß-, Wand-, und Dachflächen. Somit trägt es zur wesentlichen Gestaltungsstruktur der Mustersiedlung bei.

Fazit: Entstanden ist eine „neue Architektur“, die sich einerseits aus der konkreten Architektur des Ortes ableitet und andererseits genügend Raum schafft um ein Nebeneinander bzw. ein Miteinander zwischen historischer Bausubstanz und moderner Architektur zu gewährleisten.

 

Nettogrundfläche Wohnhaus:
Erdgeschoss, Untergeschoss, Dachgeschoss mit ca. 200 m²
Nettogrundfläche Wohnhaus (Wohnen und Arbeiten):
Erdgeschoss, Untergeschoss, Dachgeschoss mit ca. 140 m²
und Einliegerwohnung im Erdgeschoss mit ca. 33,55 m²

Planung:
denzer & poensgen
architektur & innenarchitektur
Zum Rott 13
53947 Marmagen
www.denzer-poensgen.de

Bearbeitung:
Andrea Denzer, Dipl.-Des., Innenarchitektin
Georg Poensgen, Prof. Dipl.-Ing., Architekt
Daria Rossova, MA.
Sandra Fiebig, BA.
Nicole Piatek, cand. Arch.

Beauftragung:
Wald und Holz Eifel e.V.
Projekt HolzCluster.Eifel II
Horst-Karl Dengel, Vorsitzender Wald und Holz Eifel e.V.
Dipl.-Forstwirt / Forstassessor Axel Krähenbrink, Geschäftsführer Wald und Holz Eifel e.V.
Dipl.-Ing. (Architektur) Holger Wolpensinger, Clustermanager HolzCluster.Eifel, Projektleitung Holzbau-Mustersiedlung

 

Aufgabenstellung

(Text: HolzCluster.Eifel)

In diesem Vorhaben ist eine für die Eifel mustergültige und beispielgebende Wohnsiedlung in innovativer Holzbauweise in ortstypischer Architektur konzeptioniert worden. Sie ist als Musterhausanlage für modernen Holzbau im Rahmen der Aktivitäten des HolzCluster.Eifels, des Holzkompetenzzentrums Rheinland, aber auch in übergeordneten Kontexten eingebettet, wie der Zukunftsinitiative Eifel oder der Europäischen Holzroute. Das Plangebiet liegt in der Gemeinde Nettersheim und könnte ein weiteres Vorzeigeobjekt zum Holzbau neben dem Holzkompetenzzentrum Rheinland werden.

Mit hochwertiger Architektur besonderer Qualität und günstigem Bauland kann die ländliche Region Standortnachteile gegenüber den urbanen Zentren aufwiegen. Potenzielle Interessenten aus der Stadt suchen ein „heimeliges“ und naturnahes Umfeld, was die Eifelregion zu bieten hat. Die Holzbau-Mustersiedlung soll weiterhin aufzeigen wie teilweise recht stereotyp wirkende energieeffiziente Gebäude in einem eifeltypischen Baustil integriert werden können. Deshalb greift der städtebauliche Entwurf der Holzbau-Mustersiedlung den Eifeltyp Winkelhof und das Langhaus auf.

Das HolzCluster.Eifel steht in Kontakt mit zahlreichen Kommunen und wird sich um die Realisierung von weiteren Wohnsiedlungen und Gebäuden mit einem hohen Anteil von Holzbaustoffen und innovativen Baustandards einsetzen. Die vorliegende Entwurfslösung der Eifeler Holzbau-Mustersiedlung kann auf Baugrundstücke anderer Kommunen in der Eifel übertragen werden. Die Mustersiedlung sieht im Entwurf einen temporären Ausstellungsbereich vor, der als begehbares Musterhaus dienen kann.

Das Baukonzept soll folgende Anforderungen erfüllen:

  • Baukonstruktion mit hohem Holzbauanteil und modernen Holzwerkstoffen möglichst aus der Eifelregion realisiert mit regionalen Handwerkern
  • Gewünscht ist ein hoher Energieeffizienzstandard z.B. Plusenergiehaus
  • Verwendung von ökologisch hochwertigen, nachhaltigen und wohngesunden Baustoffen