Clusterleitbild Holzbau

Unterstützung und Mehrung des Holzbaus als Leitziel – Strategietreffen des regionalen Wald und Holz-Clusters im Verein Wald und Holz Eifel e.V.

In NRW werden klassische  Industriebranchen gern als alleinig „systemrelevant“ betiteltet. Eine explizit nachhaltige Wirtschaftsweise, die durch Wachstum Ressourcen schont, ausgesprochene Energieeffizienz sowie Flexibilität und Tiefe der mit einem Wirtschaftsfeld verbundenen Betriebe sind allerdings charakteristische Merkmale der Wald- und Holzbranche.

Nicht nur im urbanen Umfeld gibt es eine zunehmende Notwendigkeit, schnell, flexibel, wohngesund und CO2-bilanziell günstig zu bauen bzw. zu sanieren. Hierzu ist der ländliche Raum zu stärken. Dort finden die Primärproduktion und die Verarbeitung im Handwerk mit qualifizierten Arbeitsplätzen und entsprechender Wertschöpfung statt.

Es wird deutlich: Die Wertschöpfungskette Wald und Holz als Ganzes
nimmt angesichts aktueller gesamtgesellschaftlicher, wirtschaftlicher
und ökologischer Herausforderungen eine Schlüsselrolle ein. Dementsprechend gilt es, das Alleinstellungsmerkmal eines ganzheitlichen Cluster-Ansatzes in einer Strategie und darauf aufbauend in der fachlichen Umsetzung abzubilden.

Von der Schlüsselrolle zur Schlüsselstrategie

Das Netzwerk Wald und Holz Eifel e. V. steht für die komplette Kette vom Primärprodukt Holz über seine Verarbeitung bis zur Planung und Umsetzung des modernen Holzbaus, sprich: für ein Regional-Cluster. Es kann folglich nicht die Aufgabe des Netzwerks sein, jedes individuelle Interesse einzelner Akteure entlang der Verarbeitungskette separat zu bedienen. Forstämter, Sägewerks- und Waldbesitzerverbände decken diese vielfältigen Interessen der einzelnen Verarbeitungsstufen im politischen und wirtschaftlichen Umfeld bereits differenziert ab. Die Arbeit eines modernen Clustermanagements besteht stattdessen in der gleichberechtigten Abstimmung und sinnvollen Verknüpfung letztlich aufeinander aufbauender Individualinteressen zu Gunsten eines gemeinsamen Branchen- bzw. Clusterziels. Die gelegentlich auch im Clusterumfeld immer noch geäußerte Frage nach einem scharf abgrenzbaren Vorteil einzelner Maßnahmen für z. B. die Waldbauern, die Säger, die Zimmereien etc. widerspricht dem Clustergedanken.

Aufgabe des Netzwerks ist es, eine Sensibilität für eine Branchenzugehörigkeit zu erzeugen. Hierzu ist eine zentrale Leitlinie des Handelns über ein allseitig getragenes Ziel zu definieren, das den einzelnen Akteuren, per gleichrangigem Input, in der Umsetzung einen gleichwertigen Nutzen beschert. Darüber hinaus sollte im Sinne einer Kielwassertheorie möglichst ein Großteil der dem Leitziel nachgeordneten Interessensbereiche automatisch bedient bzw. positiv beeinflusst werden.

Holzbau: Zentrales Clusterziel mit Kielwassereffekt

Die Verarbeitungskette Wald und Holz generiert nachweislich dann
den größten gesamtgesellschaftlichen Nutzen, wenn sie in die stoffliche Verwendung und hier in den Holzbau mündet. Der gegenüber der thermischen Nutzung deutlich verlängerte Veredelungsweg bis zum Holzbau verknüpft erheblich mehr Akteure und vergrößert so die Wertschöpfung. Diese wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis ist einleuchtend, und doch schwer bei den Entscheidungsträgern zu verankern. Brennholz hat seine Berechtigung als dezentraler Energieträger, ist aber nicht mehr als ein automatisch entlang der Wertschöpfungskette anfallendes Koppelprodukt. Die energetische Verwendung angesichts seiner ohnehin ausgeprägten Marktdurchdringung fachlich weiter zu fördern, würde eine Konkurrenz zur stofflichen Verwendung unnötig verstärken. Das größere energiebilanzielle Potenzial von Holz liegt klar in seiner Fähigkeit, durch hervorragende Dämmeigenschaften wiederholt Energie zu sparen, statt alternativ einmalig Energie zu liefern. Explizit auf die möglichst niveauvolle und hochwertige, weil langlebige, stoffliche Verwertung zu setzen, bedient die gesamte Bandbreite der Wertschöpfungskette zum gemeinsamen Nutzen aller Beteiligten. Deshalb steht der Holzbau im Mittelpunkt der Arbeit des HolzCluster.Eifel. Beispielhaft zeigen sich in der Umsetzung des Leitziels die Auswirkungen auf Sekundärziele:

Clusterleitbild

Wertschöpfungskette Grundlage für Holzbau

So bedeutet mehr Holzbau einen größeren Bedarf an hochwertigem
Rohholz und infolgedessen bessere Absatzmöglichkeiten für den Waldbesitz. Waldbewirtschaftung baut seine Attraktivität gegenüber dem bloßen Waldbesitz aus. Ein bewirtschafteter Wald ist artenvielfältiger. Anspruchsvollere forstliche Beratung erhält einen adäquaten Stellenwert. Kleine und mittelständische Betriebe in ländlichen Regionen können bei vermehrter Nachfrage im Sinne forstlicher Produktion durch hochwertige Verarbeitung auskömmlich betrieben werden. Gute Verdienstmöglichkeiten erleichtern die Nachwuchsgewinnung bzw. den Arbeitsplatzerhalt oder sogar den Ausbau der Belegschaft. Ingenieurtechnisch anspruchsvoller Holzbau schafft gute Beispiele, insbesondere für einen urbanen Markt, der sich im Sinne aktueller sozioökonomischer Anforderungen bedienen lässt. Die dadurch erzeugte mediale Aufmerksamkeit lenkt den Blick auf eine Wertschöpfungskette, deren Bedeutung politisch unterschätzt ist. Das derzeit mancherorts ohne Not erzeugte Spannungsfeld zwischen Totalschutz von Waldgebieten und naturgemäßer, multifunktionaler Waldwirtschaft wird politisch und in der öffentlichen Meinung differenzierter betrachtet.

Nicht zuletzt gelingt es über den identitätsstiftenden Holzbau, regionale baukulturelle Eigenheiten modern zu interpretieren und zudem signifikant zu lokalen und landesweiten Klimaschutzzielen beizutragen.

(Text: Axel Krähenbrink, Holzkompetenzzentrum Rheinland)