Kommunalprojekt

HolzbauFachberatung für Kommunen

Die Kommunen in der Eifel könnten sich zu bedeutenderen Holzverwendern entwickeln. Mit öffentlichen Bauten und Vorhaben der energetischen Gebäudesanierung und -modernisierung ließe sich die Nachfrage nach dem vielfältigen, nachwachsenden, umwelt- und klimafreundlichen Rohstoff Holz deutlich steigern. Ein Ziel des Projekts HolzCluster.Eifel (HCE II) war es, Möglichkeiten zur Holzverwendung im kommunalen Umfeld aufzuzeigen und entsprechend geeignete Projekte und Planungen durch fachlichen Input zu unterstützen. Hierzu wurden vier Kommunen ausgewählt, die typisch für die NRW-Eifel sind und anhand derer modellhaft auf die Eifel abgestimmte Wege entwickelt und durchgespielt werden konnten, um den Holzeinsatz zu Gunsten von Ökonomie und Klimaschutz zu erhöhen.

Hintergrund
Holzeinsatz im Bau fördert den Absatz des regionalen Rohstoffs in der waldreichen Region Eifel und generiert so Wertschöpfung vor Ort. Alleine die Umsatzzahlen des Regionalforstamtes Hocheifel-Zülpicher Börde belegen die wirtschaftliche Bedeutung von Wald und Holz in der Region: Hier werden jährlich ca. 300.000 m3 Holz geschlagen. Mit 17-20 Mio. Euro jährlich verdient hier zunächst der Waldbesitzer. Doch Holz ist darüber hinaus Grundlage für eine weitreichende Wertschöpfungskette, in deren Verlauf vielfältige
holzverarbeitende Betriebe, das Handwerk sowie Planer vom Einsatz eben dieses Holzes für den modernen Holzbau profitieren. Die Wertschöpfung vom Wald zum Holzbau zu optimieren, steigert nicht zuletzt die Attraktivität einer Region, insbesondere für jüngere Menschen. Einer in den meisten Eifeler Kommunen rückläufigen Bevölkerungsentwicklung der letzten zehn Jahre könnte durch vielfältige, hochwertige Arbeitsplätze und mehr Wirtschaftskraft entgegengewirkt werden. Den Problemen der Kommunen (z. B. Euskirchen) mit steigenden Bevölkerungszahlen – allerdings in eher städtischem Umfeld mit zu wenig Wohnraum – könnte ebenso begegnet werden. Die Folgen der Globalisierung mit Konzentration von Bevölkerung in urbanen Zentren ließe sich in Teilen abfangen, indem die Resilienz ländlicher Gebiete gegenüber sozio-ökonomischer Veränderungen gestärkt würde. Trends würden gemildert: Einzelstandorte bzw. ländliche Strukturen  behielten ihre individuelle Funktionalität entgegen der Tendenz zur Suburbanisierung (reines Wohnen; Arbeit/soziales Leben nicht mehr vorhanden). Potenzielle Bauherren aus den Städten fänden erschwingliche vollwertige Angebote zum Wohnen und Leben in  ländlichem Umfeld, als Reaktion auf hohe Wohnkosten in den Städten um die Eifel herum.
Eine konsequente Umsetzung der Wertschöpfungskette gibt den Kommunen einen Teil ihrer direkten Handlungsfähigkeit zurück: Die finanzielle Leistungsfähigkeit steigt, der Aufbau spezifischer Kompetenzen im Bereich eines Wirtschaftsfeldes der Zukunft ist realisier- bzw. als Geschäftsfeld ausbaubar. Interkommunale Konkurrenz (z. B. um Fördergelder) nimmt ab, Ressourcen werden frei, Kooperationen zur Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen (z. B. Klimaschutz) fallen leichter. Der Holzbau als Schlüssel für zukunftsfähige kommunale Arbeit ist somit keine Utopie, sondern beantwortet ganz konkret global und insbesondere regional absehbare Veränderungen durch proaktives Handeln.

Vorgehensweise
In vielen Einzelgesprächen und insbesondere bei der Kommunalveranstaltung im Juni 2014 in Zülpich äußerten die eingeladenen Bürgermeister der Eifeler Kommunen den Wunsch, bei der Planung, Konzeption und Umsetzung ganz konkreter Holzbauprojekte Beratung zu erfahren. Dieser Wunsch wurde aufgegriffen und in das Projektkonzept der vier Modellkommunen übernommen. Auswahlkriterien der sogenannten Modellkommunen waren deren geografische Lage in den Landkreisen der NRW-Eifel, dass sie eifeltypische kommunale Themen und Problemlagen repräsentieren und wenn möglich, eine besondere Affinität zum Einsatz von Holz aufweisen bzw., nach grober Analyse des Gebäudebestands, das Potenzial zur stofflichen Holzverwendung im Neubau und in der Bestandssanierung

Ausgewählt wurden für die Städteregion Aachen die Stadt Monschau mit 11.967 EW, für den Kreis Düren die Gemeinde Hürtgenwald mit 8.606 EW sowie aus dem Kreis Euskirchen die Verbandsgemeinde Nettersheim mit 7.475 EW und die Voreifelstadt Euskirchen mit 55.702 Einwohnern. Das Konzept der „Kommunalberatung“ umfasst zunächst eine Analyse des vorhandenen Materials (u. a. Klimakonzepte, Studien zum Zustand des Gebäudebestands und statistische Daten zur Holzbauquote und ansässigen Holzbauunternehmen und Holzhäusern) sowie qualitative Interviews mit kommunalen Entscheidungsträgern bei Vorortterminen. Stattgefunden haben die Gespräche in Monschau mit dem dortigen Kämmerer, in der Gemeinde Hürtgenwald mit dem Bürgermeister und dem Abteilungsleiter des Bauamts, in Nettersheim mit dem Bürgermeister und in der Stadt Euskirchen mit dem Technischen Beigeordneten. In den Gesprächen und den daran anschließenden Vorortbegehungen wurden Ansatzpunkte für vermehrten Holzeinsatz ermittelt. Sie dienen dazu, das Potenzial für den Holzbau konkret zu benennen und eifeltypische Holzbaulösungen anzubieten. Eine Auswahl exemplarischer Ideen und Ansätze zur Umsetzung von Holzbau in den einzelnen HCE-Modellkommunen gibt es in der pdf-Dokumentation zum Kommunalprojekt.

Fazit und Ausblick

Ähnliche Herausforderungen, aber auch eine Rahmenbedingung, einen die Eifel-Kommunen: Es fehlt an Geld. Dringend erforderliche Investitionen lassen sich zumindest konventionell nicht realisieren – „das rechnet sich nicht“. Für die baulichen Entscheidungsträger ist jedoch – das zeigten die Interviews – ein Sich-Ergeben in diese Situation keine Option. Vielmehr wurde ein großes Interesse daran deutlich, inwieweit regionale wirtschaftliche Strukturen gepaart mit dem Baustoff Holz etwaig eine Lösung kommunaler Probleme bedeuten können. Regionale Strukturen und ihre spezielle Leistungsfähigkeit mit hölzerner Materialität zu Gunsten der Ökonomie und zugleich des Klimaschutzes umzusetzen, bietet den Kommunen einen neuen Denkansatz, bei dem das Cluster unterstützen möchte. Besonderheiten der Region aktiv wie gezielt zu nutzen, und so durch wohlüberlegte Investition in holzbauliche Projekte gleichzeitig Lösungen für klimapolitische, betriebswirtschaftliche, demografische und volkswirtschaftliche Probleme zu finden, ist das Gebot der Stunde.

Es gibt zum Teil jahrzehntlang eingespielte Planungs- und Verwaltungsabläufe. Neben der schnelleren Amortisation holzbaulicher Projekte aufgrund Dämmwirkung und Geschwindigkeit per Vorfertigung ist durchaus ein Anreiz vonnöten, neue Wege zu gehen. Ein Holzbauförderprogramm würde ein breites Umdenken anstoßen. Neben den bisherigen Förderprogrammen der KfW-Bank zur energetischen Sanierung gab es in NRW bisher keine Möglichkeit der Bezuschussung des Holzbaus. Nun kündigte das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) ein neues Förderprogramm für Holz und andere Nachwachsende Rohstoffe ab Mai 2015 an. Das BMEL wird darin neue Schwerpunkte im Bereich „Bauen mit Nachwachsenden Rohstoffen“ setzen. Die Eifeler Kommunen könnten davon profitieren. Die dafür nötige Überzeugungsarbeit für den Holzbau als grundsätzliche kommunale Option zu leisten, bleibt Daueraufgabe aller Akteure des Clusters.

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Vollständige Dokumentation Kommunalprojekt als pdf