Holzwirtschaft historisch

Kurze Geschichte der Eifelwälder als Basis einer prosperierenden Holzverwendung

Wie alle Mittelgebirge Deutschlands war die Eifel ursprünglich fast durchgehend bewaldet. Nach einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung insbesondere am Ostrand der Region während der Römerzeit, wurde sie bis zum hohen Mittelalter wieder vollkommen von Wäldern bedeckt. Seitdem und bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts änderte sich dieser natürliche Zustand erneut komplett: Holzkohleproduktion für Metallhütten, Schiffbauholz für die Niederlande, Bau- und Nutzholz für die heimische Bevölkerung und insbesondere auch die Viehweide im Wald zerstörten die Vegetation nachhaltig und führten vielerorts zu einem Landschaftsbild, wie man es heute etwa aus dem schottischen Hochland kennt: Heide so weit das Auge reicht, weit und breit kaum ein Baum und wenn, dann lediglich ein paar Birken und Kiefern.

Aufgrund der beklagenswerten ökologischen Zustände, die sich selbstverständlich auch auf die wirtschaftliche Situation der Landbevölkerung auswirkten, kam es zu massenhaften Auswanderungen in die Rheinstädte, später auch in das Ruhrgebiet oder bis nach Amerika, was wiederum zu einer Verstärkung der sozialen und wirtschaftlichen Verarmung der Eifel führte. Nachdem wegen der sogenannten „Holznot“ schon im 17. Jahrhundert erste obrigkeitliche Forstgesetze verabschiedet wurden, kam es im 19. Jahrhundert, als die Eifel Bestandteil der preußischen Rheinprovinz wurde, zu ersten weiträumigen Aufforstungen, vor allem mit Kiefern, Lärchen und zunehmend der Fichte – alles Baumarten, die es vorher in der von Laubhölzern dominierten Region gar nicht oder kaum gab. In diesen neuen Waldgebieten war die Nutzung durch die Bevölkerung streng untersagt. Aber nicht nur dort, auch in den Wäldern der Bauern wurde die Nutzung stark reglementiert. Dort, wo noch Reste des alten Bauernwalds vorhanden waren und diese für die Menschen noch unverzichtbarer Bestandteil der eigenen Landwirtschaft waren, kam es daher zu teilweise erheblichen sozialen Spannungen mit der Obrigkeit, die ebenfalls wieder zu Auswanderungswellen aus der Region führten.

Die neuen Aufforstungen waren aber als Basis der Holz- und Möbelindustrie mitverantwortlich für die wirtschaftliche Erholung der Region, die ihren Ruf als Armenhaus Westdeutschlands nach und nach verlor. Allerdings wurde der Holzreichtum noch zweimal im Laufe des 20. Jahrhunderts bedroht. Zum einen mussten Eifeler Wälder in den zwanziger Jahren im Rahmen der Reparationszahlungen an Frankreich weitflächig gerodet werden und während des Zweiten Weltkriegs wurden weitere Forstreviere vollkommen zerstört. Nach dem Krieg wurden die zerstörten Flächen erneut zunächst mit zwar standortfremden, aber schnellwüchsigem Nadelholz aufgeforstet. Diese Nadelholzarten wurden gewählt, um so rasch wie möglich wieder Bau- und Werkholz für den Aufbau Deutschlands liefern zu können. Sie legten somit auch den Grundstein für das heutige Cluster Wald und Holz Eifel.

Wie in anderen Regionen Deutschlands ist die nachhaltige Forstwirtschaft seit den 60er Jahren erfolgreich dabei, in den Forstrevieren der Eifel einen artenreichen Mischwald entstehen zu lassen, der in vielem dem Charakter des ursprünglichen Waldes dieses Mittelgebirges sehr nahe kommt. Dieser „neue“ Waldreichtum hat nicht nur die ökologische Situation der Eifel wieder entscheidend verbessert, sondern sorgt durch die Bereitstellung des wertvollen Rohstoffs Holz dafür, dass Arbeitsplätze entstehen, Unternehmen wirtschaften können und die Holzbauquote in einigen Regionen der Eifel mit fast 35 Prozent Spitzenwerte für Nordrhein-Westfalen aufweist. Im Cluster Wald und Holz Eifel arbeiten rund 16.000 Beschäftigte in 1.300 Unternehmen, die mehr als 3,3 Mrd. EUR Umsatz erwirtschaften. Dazu finden sich in der Eifel und im direkten Umfeld mehrere Hochschulen mit Bildungsangeboten und Forschungskapazitäten für die Holzbranche, die mitwirken, das Zukunftspotenzial der Forst- und Holzwirtschaft weiter zu steigern. Die Eifel, der Wald und Holz: das gehört einfach zusammen!