Erstes Holzgebäude für Flüchtlinge am Flughafen Hahn eröffnet

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Heute hat das Land Rheinland-Pfalz das erste Holzgebäude für Flüchtlinge auf dem Flughafengelände Frankfurt/Hahn vorgestellt. Integrationsministerin Irene Alt und Finanzstaatssekretär Salvatore Barbaro würdigten zusammen mit Wirtschaftsministerin Eveline Lemke dieses Pilotprojekt, das bereits vor der Fertigstellung des ersten Gebäudes über die Landesgrenzen hinaus auf Interesse gestoßen ist.
Im September 2015 hat das Land Rheinland-Pfalz vor dem Hintergrund der stark ansteigenden Flüchtlingszahlen ein Projekt zur Unterbringung von Flüchtlingen gestartet. Ziel war es, möglichst schnell und ohne qualitative Einschränkungen Unterkünfte in Holzbauweise zu planen und zu fertigen. „Wir wollten die Flüchtlinge, die aus Krieg und Not zu uns kommen, gut und sicher unterbringen. Wir mussten schnell handeln. Die Idee, Holzbauten zu errichten, ist ausgezeichnet und ich danke allen, die sie so schnell umgesetzt haben“, so Integrationsministerin Irene Alt.

Der erste Bauabschnitt ist nach nur 75 Tagen vom ersten Entwurf bis zur Fertigstellung bezugsfertig. „Wir hatten uns für den Holzbau entschieden, da dieser für die modulare Vorfertigung und schnelle Bauzeiten besonders geeignet ist“, erläutert Staatssekretär Barbaro. „Was man hier sieht, ist rheinland-pfälzisches Handwerk pur. Das ist modern, flexibel und erweiterbar. Nachhaltigkeit geht auch hier“, unterstreicht Wirtschaftsministerin Eveline Lemke.

Das Gebäude auf dem Hahn ist eine Holzrahmenkonstruktion mit vorgefertigten wärmegedämmten Wandelementen in Tafelbauweise. Hier sind 48 Zimmer entstanden, die mit je vier Personen belegt werden können, zuzüglich 12 Räumen mit sanitären Anlagen und je einer WC- und Duscheinheit pro Flurabschnitt. Auch Teeküchen finden Platz auf den insgesamt 1.400 Quadratmetern Nutzfläche.

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Mit dem Pilotprojekt beauftragt wurde der Architekt und Holzbauunternehmer Holger Kappler aus Gackenbach-Dies (Westerwaldkreis) und der Holzbauingenieur Tobias Götz aus Sinzig. Auf der Baustelle waren sie aber nicht alleine: 13 Baufirmen arbeiteten teilweise zeitgleich auf der Baustelle und haben so zum Gelingen dieses Projektes maßgeblich beigetragen. Staatssekretär Barbaro: „Das Land ist durch die Holzbauweise nicht abhängig von internationalen Anbietern von Stahlcontainern.“ Preise und Lieferzeiten für diese seien deutlich gestiegen. Deshalb sei es Ziel der Landesregierung, verstärkt das regionale Handwerk mit der Schaffung von Unterkünften und Wohnraum zu beauftragen. Damit werde auch eine wichtige Regionalpolitik betrieben, betonte der Staatssekretär.

Auf Basis der Planung des Pilotgebäudes sollen noch zwei weitere Gebäude auf dem Flughafengelände entstehen. Das Finanzministerium, das zugleich auch Bauministerium ist, hatte zu Informationsgesprächen in drei rheinland-pfälzische Handwerkskammern eingeladen, um interessierte Unternehmen zu informieren. Die Planung des aktuellen Holzhauses wurde darüber hinaus – zusammen mit planungsrechtlichen Informationen zum Bau der Flüchtlingsunterkünfte – auf der Webseite des Finanzministeriums veröffentlicht.

„Die gesamte Wertschöpfungskette der Holzgebäude kommt aus unserem Bundesland. Das ist eine große Chance für das regionale Handwerk, das sich hier einbringen kann“, so Wirtschaftsministerin Lemke. „Die Modulbauweise ermöglicht, dass auch die Kommunen mit ihren unterschiedlichen Bedarfen auf die Planungen des Landes zurückgreifen können“, so Barbaro. So seien die Unterkünfte nicht nur kostengünstig, sondern auch flexibel abwandelbar und einsetzbar. Die Holzmodule könnten beispielsweise als kostengünstige Studierendenwohnungen in Ballungsgebieten oder als barrierefreie Einheiten für Senioren oder Behinderte genutzt werden.

Rheinland-Pfalz ist bisher das einzige Bundesland, das selbst Flüchtlingsunterkünfte baut. Andere Bundesländer, darunter Nordrhein-Westfalen, wollen auf die Planungen des rheinland-pfälzischen Finanz- und Bauministeriums zurückgreifen.
(PM 18.12.2015; Fotos: H. Pohlmeyer, Holzbau-Cluster RLP)